18.12.2017
Risiko für Kaiserschnitt ist vererbbar

Ist der Kopf des Kindes zu groß für das Becken der Mutter, ist ein Kaiserschnitt notwendig. Das Risiko für ein solches Schädel-Becken-Missverhältnis ist offenbar erblich bedingt. Zu diesem Schluss kommen Evolutionsbiologen der Universität Wien, wie aponet.de – das offizielle Gesundheitsportal der deutschen ApothekerInnen – in einer Pressemitteilung berichtet.

Frauen, die selbst wegen einem Schädel-Becken-Missverhältnis durch einen Kaiserschnitt auf die Welt kamen, entwickeln mehr als doppelt so häufig ein solches Missverhältnis bei der Geburt ihrer Kinder als Frauen, die natürlich geboren wurden. Dies berichten die Forscher um Philipp Mitteröcker im Fachmagazin "Proceedings of the National Acadamy of Science".

In den meisten Ländern hat sich die Anzahl der Kaiserschnitte in den letzten Jahrzehnten vervielfacht, sodass er heute eine der am häufigsten durchgeführten Operationen ist. "Tatsächlich fanden wir empirische Studien, die Geburtsprobleme und Kaiserschnitt über zwei Generationen untersuchten. Die vorhergesagte 'Vererbbarkeit' von Schädel-Becken-Missverhältnis und Kaiserschnitt wird durch diese Studien erstaunlich genau bestätigt", so Mitteröcker.

Die Forscher konnten zudem zeigen, dass die regelmäßigen lebensrettenden Kaiserschnitte in den letzten 50 bis 60 Jahren bereits eine evolutionäre Veränderung bewirkt hat. So treten heutzutage Geburtsprobleme durch ein sogenanntes Schädel-Becken-Missverhältnis zehn bis 20 Prozent häufiger auf. Bereits im vergangenen Jahr haben die Forscher um Mitteröcker eine Studie veröffentlicht, wieso die Kaiserschnittrate so hoch ist: Grund dafür sei der medizinische Fortschritt, der es auch Frauen mit einem sehr schmalen Becken ermöglicht, Kinder zu gebären und ihre Erbanlagen weiterzugeben.

Zur Pressemitteilung